2.6 World Building I

Ausgehend von den bis hierhin beschriebenen und abgeleiteten Zusammenhängen kann nun eine erste grundlegende Definition von World Building getroffen werden, die auch für eine weitere Anwendung und Ausdifferenzierung dieses Konzeptes handhabbar ist. Als erster Punkt ist dabei die Unterscheidung zwischen transmedialen Formen des Erzählens und dem Prozess des World Building zu nennen. Henry Jenkins verwendet diese Begriffe synonym und differenziert nicht zwischen dem Verteilen einer Gesamtnarrative über verschiedene Medien und dem Erzählen von Variationen einer Gesamtnarrative über verschiedene Medien. Dabei ist dies, besonders unter Hinblick auf die Beziehung zwischen dem Design und der Konsistenz der diegetischen Welt und den sich daraus bietenden Möglichkeiten der Generierung von narrativen Mustern von immenser Bedeutung. Zwar kann, wie anhand der verschiedenen Thematisierungen des Konzeptes von Intermedialität dargelegt wurde, der intermediale Charakter einer transmedialen Erzählung in einer Unabhängigkeit der Narrative von den aus ihr herausgebildeten und sich auf sie beziehenden medialen Ausprägungen gesehen werden, allerdings werden dadurch Variationen der Narrative nicht berücksichtigt. Der zweite Punkt ist die Abhängigkeit des World Building und der dadurch möglichen narrativen Horizonte von den räumlichen und zeitlichen Dimensionen der diegetischen Welt. Dies impliziert innerhalb einer offen-variablen Struktur eine unendliche Anzahl möglicher Welten, eine Perspektive, unter der eine offen-erweiterbare Struktur der Narrative, wie sie bei Lost beobachtbar ist, nicht zu fassen ist. Auch muss die Einflussnahme der Rezipienten auf die Narrative, sofern dies nicht über Muster der extra-diegetischen, institutionalisierten Kommunikation in Form von Fan-Petitionen oder ähnlichem geschieht, in Frage gestellt werden.

World Building kann somit als stetiger Prozess der Konstruktion und Erweiterung eines diegetischen Raumes, was die dazugehörige zeitliche Achse mit einschließt, gesehen werden. Dieser Raum ist, ebenso wie seine zeitliche Dimension, theoretisch bis ins Unendliche erweiterbar. Die narrativen Muster, die auf dieser räumlichen und zeitlichen Qualität basieren, realisieren sich in verzweigenden, verweisbasierten Strukturen und können theoretisch ebenfalls bis ins Unendliche erweitert werden.

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