3. Fernsehen und Konvergenz

Ein Prozess des World Building und eine transmediale Struktur des Erzählens, die im Bereich des Fernsehens operieren, greifen auch immer auf Strukturen dieses Mediums zurück, die sich aus einer spezifischen Anordnung von technologischen, ökonomischen, institutionellen und sozialen Systemparametern ergeben. Nach Jenkins spielen dabei besonders Prozesse des Wandels, die innerhalb dieser Systemparameter stattfinden und die er mit einem Modell der Medienkonvergenz beschreibt, eine wichtige Rolle. „Transmedia storytelling refers to a new aesthetic that has emerged in response to media convergence [..].“ 1 Dabei darf Konvergenz nicht als Teil eines populärwissenschaftlichen Diskurses über die digitale Revolution, in dessen Rhetorik oft behauptet wird, dass neue Medien alte verdrängen würden, missverstanden werden. Vielmehr finden zwischen Medien komplexe Prozesse der Interaktion und gegenseitigen Beeinflussung statt, die Differenz zwischen alten und neuen Medien kann dabei nur als eine aus dem historischen Kontext vorgegangene Vergleichsbasis dienen. Wenn von einer Verdrängung alter Medien oder dem Ersetzen eines Mediums durch ein anderes die Rede ist, dann kann sich dies nur auf die jeweiligen Verbreitungstechnologien beziehen, die durchaus ständig einem technologischen Wandel unterliegen.

Medien definieren sich neben einer technologischen Materialität aber immer auch durch ein damit verknüpftes Set von ökonomischen, sozialen und kulturellen Protokollen, die aus Prozessen der Produktion von medialem Inhalt und dessen Rezeption entstehen. 2 Konvergenz bedeutet einen Wandel dieser Protokolle. Jenkins sieht diesen Wandel in der Bewegung von Inhalt über verschiedene mediale Plattformen hinweg, in Kooperationsprozessen der dazugehörigen oder daraus hervorgegangenen Medienindustrien oder auch in neuen Formen des Zuschauerverhaltens. 3 Gerade der letzte Punkt mache einen sozialen und kulturellen Wandel deutlich: Das Publikum wird dazu aufgefordert, über Medien hinweg verteilte Inhalte und Informationen zu finden und Verknüpfungen zwischen ihnen herzustellen, das ist „[…] the work – and play – spectators perform in the new media system.“ 4

  1. Jenkins 2006, S. 20.
  2. Ebd., S. 12. Jenkins bleibt mit seiner Mediendefinition bewusst umfassend.
  3. Ebd., S. 20ff
  4. Ebd. S. 3

Leave a comment