3.5 World Building II

Bevor weiter auf spezifische in Bezug zur Gattung der Fernsehserie stehende narrative und formale Ausdifferenzierungen von Lost eingegangen wird, können drei Punkte festgehalten werden. Der erste betrifft den Unterschied zwischen transmedialen Erzählzusammenhängen, die nicht im Kontext einer Logik des World Building operieren, sondern eher als Ausprägungen von Praktiken des Merchandising verstanden werden müssen. Diese nehmen, einer Datenbanklogik des rekonfigurierbaren Erzählens folgend, Bezug auf grundlegende Elemente einer Narrative und ordnen diese – je nach Kontext, in dem sie stattfinden – neu an. Transmediale Erzählzusammenhänge können also nach der Logik des World Building operieren, dies ist aber nicht zwingend. Diese Spannung zwischen Konsistenz einerseits und der Möglichkeit des Brechens dieser andererseits wird im Vergleich zwischen Lost: Missing Pieces und The Lost Experience deutlich: In der Frage nach deren Verortung innerhalb der Gesamtnarrative von Lost. Die Episoden von Lost: Missing Pieces sind durch ihre explizite Nähe zur diegetischen Welt der Serie eindeutig auch dieser zuzuordnen, während The Lost Experience in größerer Distanz dazu steht. Diese Distanz ergibt sich durch die explizite Gleichsetzung von diegetischer und wirklicher Welt im Rahmen eines ARGs. Dies ist eine spezifische Eigenschaft von ARGs, welche aber durch die Annahme einer diegetischen Welt, die gleichzusetzen sei mit der wirklichen Welt – der Umkehrschluss gilt hierbei ebenfalls – gleichzeitig immer auch deren Kontingenz thematisiert. Angesichts der Brüche und Inkontinuitäten, die sich ergeben können, wenn eine Erweiterung der Gesamtnarrative nicht mehr, oder wie bei The Lost Experience nur in Teilen, der Logik des World Building folgt, bildet als zweiten Punkt somit die Rückversicherung bei einer autoritativen Instanz einen notwendigen Schritt.

Dabei stehen Damon Lindelof und Carlton Cuse, die Produzenten von Lost, in einer jungen Tradition von Produzenten/Autoren, deren gemeinschaftliche Zuständigkeit für beinahe alle narrativ motivierten Erweiterungen von Lost erst den dritten und abschließenden Punkt ermöglicht: Die Konkretisierung von World Building unter den Parametern der Konvergenz und des transmedialen Erzählens.

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